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Archäologie in Pfaffenhofen – ein Geschichts-Puzzle Archäologie in Pfaffenhofen – ein Geschichts-Puzzle

Archäologie in Pfaffenhofen – ein Geschichts-Puzzle

i 9. März von U. Beyer

Auf großes Interesse stieß der Archäologie-Vortrag von Amira Adaileh, der für Oberbayern Nord zuständigen Referentin für Bodendenkmäler. Zahlreiche Zuhörer waren der Einladung des Heimat- und Kulturkreises Pfaffenhofen gefolgt, um sich über die Ausgrabungsergebnisse in Pfaffenhofen zu informieren und anschließend noch Fragen zu stellen.

Frau Adaileh setzte die Pfaffenhofener Ausgrabungen seit 2009 in Zusammenhang mit den umliegenden Ortschaften und zeichnete anhand der aussagekräftigsten Grabungen in der Innenstadt auf anschauliche Weise die Siedlungs-Entwicklung der Kreisstadt seit der Jungsteinzeit nach.

Die ältesten Bodendenkmäler um Pfaffenhofen stammen schwerpunktmäßig aus der Bronze- und Eisenzeit. Mittelalterliche Funde wurden z. B. in Scheyern und Ilmmünster entdeckt. Pfaffenhofen gehört zu einer Riege von Wittelsbacher Ortsgründungen, die ein Gegengewicht zu kirchlichen Gründungen darstellen sollten.

2009: Im Umfeld der Stadtpfarrkirche
2009 grub man im Umfeld der Pfaffenhofener Stadtpfarrkirche. Hier Bestattungen zu finden war zu erwarten, doch die Ausdehnung dieses Friedhofs blieb unklar. Ein Rosenkranzfund deutete zeitlich auf das Mittelalter hin. Weitere Funde in diesem Areal waren z. B. ein Holzbohlenweg, Gruben, Brunnen, Spuren von Holzgebäuden und von Handwerk. Daraus ist ersichtlich, dass der obere Hauptplatz nicht immer frei von Bebauung war, wie er es heute. Die ältesten Funde hier stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

2011: Bortenschlager-Areal
2011 wurde das Bortenschlager-Areal untersucht (wo sich heute ein Drogeriemarkt befindet). Hier entdeckte man u. a. einen ausgehölten Baumstamm als Brunnen, der nach dendrochronologischer Untersuchung im Jahr 1297 geschlagen worden war. Doch interessanterweise fand man auch einen jungsteinzeitlichen Grubenkomplex, der auf erste Sesshaftigkeit hindeutet: Es wurde Wald gerodet, Gruben ausgehoben, um Material zu gewinnen, mit dem man die ersten Häuser verkleiden konnte, und schließlich benutzte man die Gruben als Vorratskammern und für Abfälle, die sich u. a. als Datierungsmaterial eigneten. Dazu gehört eine Keramikscherbe aus der Münchshöfener Kultur, also etwa 6500 Jahre alt. Aus dem Muster lässt sich die Entstehungszeit erschließen.

2012: Auenstraße
2012 war das umfangreiche Gelände zwischen dem Platzl und der Auenstraße dran. Hier fand man einige bronzezeitliche Funde aus der Zeit um 1400 – 900 vor Christus, aber hauptsächlich Bebauungs-Spuren ab dem 12. Jahrhundert, mit stärkerer Bebauung ab dem 14. Jahrhundert, auch in Stein. Reste von Import-Keramik lassen auf einen gewissen Wohlstand der Bewohner schließen.
Der ausgehöhlte Stamm einer Weißtanne (dendrochronologisch datiert auf 1291) enthielt u. a. Tierknochen. So etwas ist unüblich, weil das Brunnenwasser rein bleiben soll. Entweder wurde der Brunnen aufgegeben und danach als Abfallgrube benutzt, oder es ist ein Hinweis auf absichtliche Brunnenvergiftung. Auch in einem Brunnen auf dem Bortenschlager-Areal wurden Tierknochen am Grund entdeckt.

Auf dem unteren Hauptplatz, dem östlichen Teil, gibt es keine Siedlungsspuren vor dem 14. Jahrhundert. Diese Fläche wurde also noch landwirtschaftlich genutzt. Nördlich davon gibt es ebenfalls keine Hinweise auf den Brand von 1388. Hier standen damals also noch keine Häuser.

2018: Münchener Straße
Nach der Brandkatastrophe entstand die Stadtmauer mit dem Stadtgraben. Archäologische Grabungen in der Münchener Straße im Jahr 2018 belegen anhand der Datierung von Befestigungshölzern und Flechtwerk, dass dieser Graben offensichtlich gepflegt und baulich verstärkt, Ende des 16. Jahrhunderts aber wieder aufgegeben wurde.
In der Verfüllung befanden sich neben Keramikscherben aus dem 15. Jh. auch Speisereste wie Knochen vom Rind und Schwein, später auch von Geflügelknochen und Fischgräten. Sogar ein vollständig erhaltener Lederschuh kam zum Vorschein, und die Nachbildung eines Golddukaten (Siehe „Goldfund in Pfaffenhofen - ein Krimi“, Bericht vom 3. April 2019 auf dieser Homepage, ebenfalls unter "Archäologie".) Nach der Verfüllung befand sich hier eine Hofstelle.

2015: Ilm-Insel
2015 wurde etwas weiter südlich auf der Ilm-Insel gegraben. Da diese Stelle für eine Querung des Baches geeignet war, fand man hier folgerichtig Hölzer aus dem 12. und 13. Jahrhundert für einen Brückenübergang sowie einen Knüppelübergang aus Nadelhölzern. Neben Luxusartikeln wie z. B. eine kleine Frauenskulptur und edles Glas aus späterer Wohnbebauung fand sich auch durchlöcherte Keramik, die als sogenannte „Netzsenker“ zum Fischfang genutzt wurden.

2017: Kellerstraße
Die Grabungen von 2017 auf dem Areal der ehemaligen Bierkeller in der Kellerstraße brachten u. a. deutliche Hinweise auf ein großflächiges Brandereignis mit verkohltem Holz und verziegeltem Lehm. Sogar unterkellerte Gebäude brannten vollständig aus und stürzten ein oder wurden niedergerissen. Neben einem gotischen Schlüssel, konnten viele Keramikfragmente aus dem 13. und 14. Jahrhundert geborgen werden. Es ist daher anzunehmen, dass es sich hier um den Brand von 1388 handelte. Nach dem Stadtmauerbau stand hier lange Zeit nichts mehr. Die Bewohner zogen wohl fort oder in die Stadt, hinter die schützende Mauer.

2011: Frauenstraße
Dass auch nördlich des heutigen Hauptplatzes schon sehr früh Menschen lebten, zeigte ein bronzezeitlicher Ofen, der 2011 an der Ecke Frauenstraße/Nussergässchen gefunden wurde. Spätere Besiedlungsspuren stammen aus dem 12. – 13. Jahrhundert, dem Hochmittelalter. Erste Steingebäude folgten im 14. – 15. Jahrhundert. Es standen hier also auch schon vor dem Stadtbrand vereinzelte Häuser.

Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Pfaffenhofen viel älter ist als die erste dokumentarische Nennung, dass der Süden der Kernstadt, südlich vom heutigen Hauptplatz, früher besiedelt wurde und organisch gewachsen ist, mit einem Netz von Gassen und Gässchen, während das Gebiet nördlich des Hauptplatzes erst nach dem Brand im Städtekrieg 1388 bebaut wurde, und zwar planvoller, strukturierter.
Die Besiedlung des Stadtgebiets begann offenbar in einzelnen Keimzellen an verschiedenen Stellen, seit der Steinzeit, eventuell mit zeitlichen Lücken ohne Bebauung, mit kleinen Haufendörfern im 12. - 14. Jahrhundert. Römische oder frühmittelalterliche Funde und konnten bislang noch nicht entdeckt werden.

Die heutige „exzentrische“ (= nicht mittige) Lage der Kirchen und des Hofbergs als Machtzentrum legt nahe, dass sich hier der frühere Ortsmittelpunkt befunden haben könnte, mit Besiedlung westlich davon (z.B. Kellerstraße) und landwirtschaftliche Nutzfläche östlich davon (unterer Hauptplatz). Vermutlich verlagerte sich die Siedlungsmitte erst nach dem Brand in Richtung Osten.

Nach diesem anschaulichen, umfassenden Vortrag beantwortete Amria Adaileh noch geduldig die zahlreichen Fragen der Zuhörer. Ihr Besuch in Pfaffenhofen hat sich offenbar gelohnt.

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