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Fenster und Türen im Focus Fenster und Türen im Focus

Fenster und Türen im Focus

i 7. Mai von U. Beyer

20 Leute hatten sich an einem Samstagnachmittag bei schönstem Wetter vor dem Pfaffenhofener Rathaus eingefunden, um sich eine Führung zum Thema Fenster und Türen zu gönnen. Josef Pfab, geprüfter Restaurator im Schreinerhandwerk und Mitglied im Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen öffnete den Teilnehmer mit seinem geschulten Blick die Augen für Feinheiten der Handwerkskunst.

Fenster: Datierung, Wärmedämmung

Josef Pfab erklärte z. B., wie man das ungefähre Alter von Fenstern bestimmen kann, je nach Größe, Beschaffenheit und Farbtönung des Glases, an der feineren oder gröberen Profilierung der Fensterrahmen und Sprossen, ob es noch Kastenfenster sind oder nicht. Neues Isolierglas schimmert meist bläulich, altes Glas kann kleine Unebenheiten, eingeschlossene Bläschen oder Streifen haben, je nach Herstellungsart. Für den Laien sehen z. B. am Rathaus alle Fenster gleich aus, bei genauerem Hinsehen kann man aber feststellen, dass sie verschiedenen Renovierungsphasen stammen und mal mehr, mal weniger perfekt gefertigt sind.
Kastenfenster haben zwei Flügel-Ebenen, die äußere und die innere. Als Variante gab es auch noch sog. „Winterfenster“ oder auch „Vorfenster“. Hier wurde die äußere Ebene im Frühjahr/Sommer entfernt und im Winter zur Wärmeisolierung wieder eingesetzt.
Bei Kastenfenstern in Baudenkmälern ergibt sich ein optimaler Wärmedämmwert, wenn man die äußere Verglasung im Originalzustand lässt und die innere mit Isolierglas versieht. Die inneren Flügel sind größer als die äußeren, damit letztere auch ganz geöffnet werden können.
Viele alte Fenster (ca. 1850 – 1930) haben zwei Drehflügel und ein kippbares sog. Oberlicht. Fensterflügel, die man als Ganzes mit einem Beschlag drehen und kippen kann, gibt es erst seit den 1950-er Jahren. Dass aber Dauerkippen zu chimmelbildung führt, sollte mittlerweile allen bewusst sein.

Material

Josef Pfab erklärte auch, woran man ein Kunststofffenster erkennt und warum sie nicht haltbarer sind als Holzfenster. Da sich die Weichmacher im Kunststoff mit den Jahren verflüchtigen, wird er spröde und rau, Dekorfolien verblassen, die Fenster werden unansehnlich. Während Holzfenster gut restauriert werden können, so dass es heute noch Fenster aus der Mitte des 18. Jahrhunderts gibt, beträgt die Haltbarkeit von Kunststofffenster, derzeit nur etwa 50 Jahre. Von Nachhaltigkeit kann hier keine Rede sein!

Fensterproportionen

Was die Ästhetik betrifft, wies der Fensterfachmann auf stimmige und weniger gelungene Proportionen der Fensterteilungen hin. Oberlicht und durch Sprossen gegliederte Fensterflügel z. B. sollen eine harmonische Teilung ergeben. Sprossen teilen zu große Glasflächen in ansprechendere Formate; dabei sollte die Breite der Sprossen so gering wie möglich gehalten werden. Sein geschultes Auge sah sofort, was den Führungsteilnehmern erst bewusst gemacht werden musste.

Fensterläden

Besonders interessant sind die Fenster und Fensterläden von Hotel Müllerbräu. Die Läden haben Lamellen, die man je nach Luftbedarf öffnen und schließen, sowie unten ausstellen kann. Diese Art trifft man überwiegend in südlichen Ländern wie z. B. Italien an. Ein paar der Müllerbräu-Fensterläden sind mit einem frühentwickelten Innenöffner versehen.

Türen

Die ältesten Türen im Stadtzentrum stammen aus der Zeit um 1900. Ein besonderes Prachtstück führt ins Müllerbräu-Verwaltungsgebäude, das gerade restauriert wird. Diese Tür stammt noch aus der Bauzeit und ist u. a. besonders gut erhalten, weil sie sich geschützt auf der wetter-abgewandten Seite befindet und auch kaum Gebrauchsschäden erlitten hat.
Schade ist es um die ebenfalls noch im Original erhaltenen Türen und Schaufenster des Geschäftshauses am Hauptplatz 26, von deren wohlproportionierter Schönheit leider überbordende Werbung ablenkt.
Besonders sehenswert sind z. B. auch die drei Türen in der Münchener Straße und Löwenstraße 29, eine schöne Jugendstiltür, mit geschliffenem Glas, was heute fast unbezahlbar wäre. Wer sie noch anschauen will, muss sich beeilen, denn das Haus soll abgerissen und die Tür wo an anderer Stelle wieder eingebaut werden.

Die meisten Teilnehmer blieben ganze zwei Stunden dabei, schulten ihren Blick und nahmen so manchen nützlichen Tipp mit nach Hause.

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