Neues und Historisches

 Zwei Wohnhäuser als Zeugnisse der Pfaffenhofener Baugeschichte  Zwei Wohnhäuser als Zeugnisse der Pfaffenhofener Baugeschichte

Zwei Wohnhäuser als Zeugnisse der Pfaffenhofener Baugeschichte

i 22. Juni von U. Beyer


Im Wettbewerb zum Erhaltungspreis des Heimat- und Kulturkreises Pfaffenhofen standen dieses Jahr leider nur zwei Gebäude zur Auswahl: Gritschstraße 26 und Radlberg 12. Beide stammen aus prägenden Bauphasen des frühen 20. Jahrhunderts, nämlich aus den 1920er Jahren bzw. aus der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.
Beide Eigentümer erwarben die Häuser um 1990 aus Liebe zu historischer Baukultur, beide erweiterten und gestalteten sie nach ihren Wünschen. Dadurch gewannen sie erheblich an Wohnqualität, erfüllen aber nicht mehr voll die Kriterien des Wettbewerbs, nämlich denkmalgerechte Erhaltung, das heißt möglichst unverändert, mit den Materialien und Handwerkstechniken der Bauzeit. So gebührt zwar nach Ansicht der Jury leider keinem der Häuser die Siegerplakette, doch beide verdienen durchaus öffentliche Anerkennung.

Gritschstraße 26

In den 1920er Jahren wurde in Pfaffenhofen das erste, größere Wohnraumbeschaffungsprogramm nötig, um den stetigen Zuzug zu bewältigen. So Entstanden in der Gritschstraße und südlich davon zahlreiche Ein- und Zweifamilienhäuser mit den für das Viertel typischen Mansarddächern, benannt nach dem französischen Architekten Francois Mansart. Hier sind die Dachflächen im unteren Bereich abgeknickt und steiler, damit das Dachgeschoß besser nutzbar wird.

Eines dieser Häuser steht in der Gritschstraße 26. : Bauherr war Dipl. Ing. Max Bauer, Vermessungsamtmann. Seit 1990 ist es im Besitz von Rudolf Appel. Erneuert wurden u. a. die Fußböden. Vor allem aber hat Rudolf Appel den Erker im Untergeschoß erheblich erweitert und dadurch einen großen, sonnigen Raum gewonnen, mit Blick auf den liebevoll angelegten Garten.

Vieles ist noch original: die Form des Daches, der obere Teil des Erkers, die Raumeinteilung, mehrere Fenster mit Originalverglasung (ungewöhnlich die mit diagonalen Sprossen) die Haustür, die Innentüren (ebenfalls originalverglast) samt hölzerner Klinken, die Eichentreppe einschließlich des Schutzgeländers, die Einbauschränke im Schlafzimmer und unter den Treppen, das Kappgewölbe und Reste des Ziegelbodens im Keller.

Dieses Haus lässt erkennen, dass hier in den 1920-er Jahren die wohlhabendere Bevölkerung Pfaffenhofens baute. Die Häuserchronik von Heinrich Streidl nennt häufig die Berufsbezeichnung des Haus- bzw. Grundstückkäufer, hier z.B. Inspektor, Zollobersekretär, Schulrat, Krankenkassenverwalter, Bezirksbaumeister und Amtmann. Daraus erklärt sich der Name "Beamtenviertel" für dieses Wohnquartier.

Radlberg 12

Sehr viel schlichter - allein schon aufgrund der Zeitumstände - sind die Häuser, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Zur Linderung der Wohnungsnot ließ damals z. B. die Heiliggeist- und Gritsch'sche Fundationsstiftung u. a. am Radlberg drei kleine Wohnhäuser errichten, die vorwiegend Heimatvertriebenen eine Bleibe bieten sollten. Radlberg 12 existiert noch. Um den Regularien der damaligen Wohnbauförderung zu genügen, war es höchst bescheiden ausgeführt und als Zweifamilienhaus ausgewiesen, mit einem Gemeinschaftsbad im Keller und einer Toilette neben der Haustür.

Schon in den in den späten 1950-er Jahren musste es um ein Kinderzimmer auf der Gartenseite erweitert werden. Außentüren, Fenster und Fensterläden wurden ca. 1990 durch einen örtlichen Schreinereibetrieb erneuert.
Alexander Sacher erwarb das Haus 1994 und nahm sich vor, es bei der Renovierung möglichst originalgetreu zu erhalten. So blieben nach seiner Aussage die Raumaufteilung, die Holztreppe, Innentüren, Fichtenriemenböden und der typische „Münchner“ Rauputz sowie die an den zwei Giebelwänden eingeputzten originalen Biberziegel erhalten.
Erweitert wurde das Gebäude durch Aufstockung des Anbaus um einen Raum und durch zwei spitz zulaufende Balkone über dem Eingang sowie auf der Gartenseite. Dadurch wurde der ursprüngliche Charakter des Gebäudes zwar verschleiert, doch die Proportionen stimmen. Die Wohnqualität des Hauses stieg, während der Erholungswert des bestehenden Gartens durch die maßvolle Erweiterung nicht beeinträchtig wurde. Es muss nicht immer Neubau sein, um gut zu leben.

Fotos: Rudolf Appel, Josef Pfab, Alexander Sacher, Ursula Beyer

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