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Häusergeschichten: Ein Stüch Stadtmauer im Keller?

Häusergeschichten: Ein Stüch Stadtmauer im Keller?

i 17. Dezember 2019 von U. Beyer

Äußerlich unscheinbar sieht es aus, das schmale, denkmalgeschützte Haus Münchener Straße 3, aber es hat es in sich. Steckt darin sogar ein Stück der alten Stadtmauer? Die Eintragungen in Heinrich Streidls Häuserchronik verwirren den Leser ein wenig: Bereits 1676 ist das Gebäude als Nagelschmiedwerkstatt am Münchener Tor verzeichnet. Hundertzwanzig Jahre später werden beim Verkauf Maße angegeben, "abzüglich der darin stehenden Stadtmauer". Gegen die Annahme, dass diese immer noch Bestandteil des Hauses ist, spricht die spätere Verlegung der Nagelschmiede:
"Die äußerst schlechte Werkstatt, die hart an der Landstraße steht, ist äußerst polizeiwidrig, weil die Kohlenglut immer herausfällt und mit scheuen Pferden für die Durchreisenden ein Unglück zu erwarten sei." Deshalb muss die Nagelschmiede 1808 hinter das Torwarthäusl verlegt werden, das ist heute Münchener Straße 5. (Häuserchronik S. 163)

1863 wird anstelle der Werkstatt ein schlichtes Wohnhaus errichtet, wobei der Keller augenscheinlich unverändert bleibt. Der Bayerische Denkmal-Atlas bestätigt dies mit der Angabe: " Untertägige Teile der spätmittelalterlichen Markt- bzw. Stadtbefestigung von Pfaffenhofen a.d. Ilm". Die Stadtmauer wurde nach dem Stadtbrand von 1388 errichtet. Das heißt, dass Teile dieses Kellers zum ältesten Mauerwerken Pfaffenhofens gehören.

Wer am Tag des offenen Denkmals die Gelegenheit zur Besichtigung genutzt hat, konnte sich davon überzeugen. Noch heute weist der Keller den ursprünglichen Lehmboden und beeindruckende Backsteingewölbe auf.
Der heutige Besitzer, Architekt Max Hechinger, hat das Haus mit viel Fingerspitzengefühl denkmalgerecht restauriert und dabei raffiniert einen Blick von oben auf das Kellergewölbe ermöglicht, und zwar durch ein Sichtfenster im Fußboden des Eingangsbereichs. Auch alte Farbanstriche wurden freigelegt und wirken nun wie moderne abstrakte Gemälde.
Hier zeigt sich einmal wieder, spannend es ist, ein Baudenkmal zu erforschen und zu erhalten.

Fotos: U. Beyer und Max Hechinger
Rechtes Foto: Max Hechinger in seinem Büro - währen der Restaurierungsarbeiten. Fußboden, Wände und Fenster schon im Endzustand.

Text: U. Beyer, Dezember 2019

Quellen:
Streidl, Heinrich: Häuserchronik der Stadt Pfaffenhofen a.d.Ilm. Pfaffenhofen 1982. S. 163
Bayerischer Denkmal-Atlas: http://geoportal.bayern.de/bayernatlas-klassik/ (26. 11. 2019)

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