Neues und Historisches

Die Pfaffenhofener Hipp-Siedlung Die Pfaffenhofener Hipp-Siedlung

Die Pfaffenhofener Hipp-Siedlung

i 21. April von U. Beyer

Geschichte und Pläne

Das zukünftige Schicksal der Pfaffenhofener Hipp-Siedlung im Osten der Stadt beschäftigt zahlreiche Bürger. Sie wurde in den 1950-er Jahren von der Firma Nährmittel Hipp als Werks-Siedlung errichtet, mit preiswerten, standardisierten Häusern umgeben von Gartengrundstücken, so dass die Arbeitskräfte nach dem Zweiten Weltkrieg bezahlbaren Wohnraum fanden und sich selbst mit Obst und Gemüse versorgen konnten. Das war etwas ganz Besonderes, nämlich sozialer Wohnungsbau auf Firmengrund, auf Initiative des Firmeninhabers Georg Hipp. Auf diese Weise konnte er einerseits etwas für seine Arbeitskräfte tun und sie andererseits dauerhaft an die Firma binden.
Die ersten Häuser waren bereits 1954 bezugsfertig und drei Jahre später stand die vollständige Siedlung, wie ein Foto von 1957 aus dem Stadtarchiv zeigt. Der beliebte Kinderspielplatz in geschützter Lage ist darauf leider nicht zu erkennen.
Damals gehörte das Gelände noch zur Gemeinde Hettenshausen. Doch 1960 wurde die Siedlung nach Pfaffenhofen umgemeindet, auch auf Wunsch der Bewohner, denn Hettenshausen war viermal so weit entfernt.

Seit den Anfängen wurde das Ensemble – abgesehen von zwei weiteren Häusern am Ende – nicht verändert, aber kontinuierlich gepflegt, so dass sie auch heute noch den gleichen freundlichen, geschlossenen Eindruck macht.
Nun möchte die Firma Hipp im Lauf der nächsten 20 Jahre das Quartier städtebaulich weiterentwickeln. „Geplant ist, die bestehenden Wohngebäude schrittweise abzubrechen und durch zeitgemäße Neubauten (kleinere Mehrfamilienhäuser mit überwiegend maximal 6 Wohneinheiten) zu ersetzen. Darüber hinaus soll die bislang unbebaute Fläche zwischen der Hipp-Siedlung und der Bebauung am Kuglweg einer baulichen Nutzung zugeführt, und damit die bestehende Baulücke geschlossen werden“. So steht es in der Abstimmungsvorlage für die öffentliche Stadtratssitzung vom 19. März 2026. Die Stadt will nun einen Bebauungsplan erstellen, der die Nachverdichtung bzw. Baulanderschließung ermöglicht, aber die Zahl der Wohneinheiten je Gebäude begrenzt. Vom Grundbesitzer wird ein Konzept gefordert, das den Siedlungscharakter wahrt.

Reaktionen der Öffentlichkeit

Seit der PK am darauffolgenden Wochenende darüber berichtete, erreichen den HKK Anfragen, ob man der Veränderung der Hipp-Siedlung nicht entgegenwirken könne, indem man sie z. B. unter Denkmal – oder Ensembleschutz stellt.

Eine Pfaffenhofenerin schreibt: „Ich bin in der Hippsiedlung aufgewachsen und wir Kinder durften dort in völliger Einheit mit der Natur großwerden. Im Grunde ist die Hippsiedlung die „kleine Schwester“ der Fuggerei in Augsburg.“

Ähnlich heißt es: „… ein sehr bedeutendes Dokument der Unternehmerverantwortung der Nachkriegszeit — und zugleich ein Beispiel dafür, wie sehr gerade Siedlungshäuser in ihrer Qualität oft unterschätzt werden. Umso mehr sollte eine so stimmig und präzise komponierte Siedlung wie die Hippsiedlung unbedingt erhalten bleiben.“

„Die Firma Hipp steht für Ökologie und Nachhaltigkeit, ein Abriss würde dem widersprechen.“

Denkmal-Eigenschaften

In einem Gespräch mit dem ehemaligen Kreisheimatpfleger Dr. Norbert Bergmann wurden die Denkmaleigenschaften und Chancen thematisiert.
Das Bayerische Denkmalschutzgesetz definiert Denkmäler als „von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.

Von geschichtlicher Bedeutung ist die Siedlung, weil sie in einer wichtigen Entwicklungsphase Pfaffenhofens entstanden ist, nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Zeit großen Bevölkerungswachstums durch Flüchtlinge und Vertriebene sowie wirtschaftlichen Aufschwungs.

Auch von städtebaulicher Bedeutung ist sie, denn sie hat die typische Baustruktur einer Werkssiedlung und besteht aus den typischen Satteldach-Häusern der 1950-er Jahre.

Als volkskundliches Denkmal sind bereits die Reste einer bronzezeitlichen Grablege, unter einem Teil der unbebauten Fläche im Zentrum der bestehenden Siedlung eingetragen, das heißt, einen Keller zu graben wäre hier nicht erlaubt.

Insofern hat die Hipp Siedlung durchaus Denkmaleigenschaften. Aber: Die schützenswerte Grundidee von sozialem Wohnungsbau durch einen privaten Investor würde durch eine Erweiterung bzw. Erneuerung nicht verändert.
Über den Denkmal- bzw. Ensembleschutz entscheidet die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt, also der Landrat selbst. Und es ist nicht in dessen Interesse – und auch nicht im Interesse der Stadt - neuen erschwinglichen Wohnraum zu verhindern, zumal ihn ein bedeutender Pfaffenhofener Arbeitgeber schaffen will.

Zustand der Häuser

Zwar wurden die einzelnen Häuser laufend gepflegt, z. B. die Ofenheizung durch eine Öl-Zentralheizung ersetzt, die Bäder saniert, Fußböden und Fenster teilweise erneuert. Doch die notwendige Sparsamkeit der Bauzeit macht sich bemerkbar: Die Keller sind feucht und wegen der dünnen Mauern fallen hohe Heizkosten an. Mittlerweile sind die Ansprüche der Mieter an die Wohnqualität gestiegen, die Bedürfnisse haben sich geändert, so dass nach Aussage eines Firmensprechers nun der Erhaltungsaufwand zu groß ist, um noch rentabel zu sein. Ökonomie und Ökologie sollen im Einklang sein.

Langfristige Planung

Es ist geplant, mit den Neubauten auf der unbebauten Fläche im Nordwesten des jetzigen Viertels zu beginnen, sodass es ohne Baulücke an die übrige Bebauung anschließt. Danach sollen die alten Häuschen nach und nach durch größere ersetzt und das Viertel nachverdichtet werden. Große Gärten sind nicht mehr gefragt. Trotzdem soll durch lockere Bebauung der Siedlungscharakter erhalten bleiben. Mindestens ein Häuschen soll aber als Zeitzeugnis bewahrt und eventuell als kleines Museum oder Café genutzt werden.
Das ganze Quartier soll ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Arbeitnehmer der Firma Hipp bekommen das erste Belegungsrecht, bevor der Rest der 50 – 70 m² großen Wohnungen zu erschwinglichen Mieten auf dem öffentlichen Immobilienmarkt angeboten wird. Alles bleibt in Firmenbesitz.

Bleibt nur zu hoffen, dass es wirklich gelingt, den Charakter der Siedlung zu erhalten, ein „ökologisches Gesamtkunstwerk“ wie ein Biologe geäußert hat. In der Vergangenheit haben die Nachkommen von Georg Hipp ihre Wertschätzung für unser bauliches Kulturerbe wiederholt bewiesen (Herrenrast und den Stadtturm an der Oberen Stadtmauer restauriert und belebt). Man wird sehen, ob sich dies fortsetzt.

(Ursula Beyer – März-April 2026)
Fotos: Stadtarchiv und Karl Ebensberger

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