Neues und Historisches

Madonna erhält ihr ursprüngliches Gesicht zurück

Madonna erhält ihr ursprüngliches Gesicht zurück

i 31. März von U. Beyer u. M. Cetinbas

Die Skulptur

Hinter einer schmalen Tür zum Erdgeschoß des Läuthauses der Stadtpfarrkirche Pfaffenhofens befindet sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Lourdes Grotte mit einer anmutigen Marienstatue, die 1888 vom Münchner Bildhauer Emil Rietzler geschnitzt wurde.
Ebendiese Figur wurde jüngst einmal mit einem dicken Lackanstrich versehen, der ihren ursprünglichen Cha¬rakter deutlich veränderte und die Anmut und Schnitz¬kunst vergangener Zeit verbarg. Aus diesem Grund wurde vom Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen die fachgerechte Restaurierung angestoßen und von einer Privatperson finanziert.
Die Restauratorin Maria Cetinbas wurde Anfang 2022 mit der Restaurierung der Figur beauftragt - in Absprache mit Pfarrer Miorin und dem Denkmalamt. Sie selbst war, wie viele Pfaffenhofener bereits als Kind von der Skulptur fasziniert.
1858 ist in Lourdes der damals 14-jährigen Bernadette Soubirou eine junge Frau erschienen, die in die Geschichte der katholischen Kirche als Marienerscheinung einging. Die Jungfrau Maria, also eine Maria Immaculata Conceptio wurde in dieser Figur dargestellt und für eine leicht erhöhte Aufstellung in der Grotte gestaltet. Es ist ein erwähnenswerter Unterschied, ob die Figur auf gleicher Ebene des Betrachters oder erhöht steht. Denn der obere Bereich wurde der Perspektive entsprechend leicht vergrößert gearbeitet, damit er von unten gesehen harmonisch erscheint.

Die Substanz

Die Skulptur ist zu ihrer Entstehungszeit nicht, wie man es erst vermuten möchte, aus einem homogenen Holzstamm herausgearbeitet worden. Es wurde vielmehr ein Holzpaket aus 13 unterschiedlich dicken Holzbohlen konstruiert und mit Kasein verleimt. Auf diese Weise konnte Schwundrissen und Verformungen vorgebeugt werden - immerhin misst die Figur 1,80m.
Zur Holzbestimmung und dendrochronologischen Untersuchung zog Maria Cetinbas den Fachmann Franz Herzig vom Landesamt für Denkmalpflege hinzu. Er konnte von der Sockelunterseite an allen 13 Holzbohlen mit einer Rasierklinge hauchdünne Holzproben nehmen, die sich unter dem Mikroskop als Lindenholz herausstellten. Das weiche, astfreie Lindenholz wurde bevorzugt in der Schnitzerei, Bildhauerei und Drechslerei verwendet.
Mit Hilfe einer beleuchteten Lupe, in die ein Maßstab eingearbeitet ist, konnte Franz Herzig an drei geeigneten Stellen die Breite von jedem Einzelnen der mehr als 80 Jahresringe abmessen. Ein Computerprogramm errechnet anhand dieser Maße das ungefähre Alter des Holzes. Der Stamm dürfte aus der dem tertiären Hügelland in der Umgebung von Pfaffenhofen stammen und demnach im Alter von mindestens 120 Jahren um 1875 geschlagen worden sein. Die Trocknungszeit des Holzes einberechnet, stimmt die Altersbestimmung mit der Entstehungszeit der Lourdes Grotte in Pfaffenhofen überein.

Die Restaurierung

Zu Beginn der Restaurierung der Farbfassung musste zunächst die jüngste Farbschicht, bestehend aus Kunstharz- und Acryllack abgenommen werden. Dies war möglich durch ein niedrigthermisches Verfahren, das heißt, mit einer Art Föhn wird die Farbschicht aufgeweicht, so dass sie sich abheben lässt. Besonders in Kleiderfalten, zwischen den Blütenblättern am Sockel und in schwer zugänglichen Regionen war dies nicht einfach. Größte Sorgfalt und Geduld sind bei so einer Arbeit unabdingbar.
Zum Vorschein kamen die verborgenen Feinheiten der Schnitzarbeit und die historische Ur-Grundierung, der sogenannte harzgebundene Steingrund. An wenigen Stellen fanden sich glücklicherweise noch Spuren der Originalfassung und des ursprünglichen Goldsaum-Verlaufs an Schleier und Gürtel. Anhand dieser Spuren konnte die neue Farbfassung aufgebaut werden.
Das Inkarnat, also der Hautton der Madonna, erscheint heute wieder, durch die ausgewählte Temperafassung (in diesem Fall eine Mischung aus Ölfarben und Ei), im höchsten Maße lebensecht. Eine Seele scheint unter der Oberfläche zum Betrachter hervor. Maria Cetinbas bewundert die hohe Kunst des Bildhauers sehr und möchte diese Arbeit mit der Farbfassung und Vergoldung in seinem Sinne fortleben lassen.
Auch der Rosenkranz hat wieder seine natürliche Farbe und Form. Mit der Wärmebehandlung ließ sich der letzte Anstrich hier nicht entfernen. Auch unterschiedliche Abbeizversuche an einer Testperle hatte nicht den erwünschten Erfolg. Erst beim vorsichtigen Kochen in Leinöl löste sich die Farbe weitgehend. Trotzdem musste jede einzelne Perle noch per Hand bearbeitet werden. Nun kommt das ursprüngliche Holz schimmernd zur Geltung, und durch das Auffädeln auf eine passende Kordel fällt der Rosenkranz wieder ganz natürlich. Das originale Kreuz wurde aus fein ausgewähltem Eichenholz geschnitzt. Zu jeder Seite sind stehende Jahrringe erkennbar und so verformte es sich keinen Millimeter.
Maria Cetinbas liebt ihren Beruf und Marienfiguren und hat in mühevoller Kleinarbeit mit viel Hingabe unsere Pfaffenhofener Lourdes Madonna vor einem Dasein im Verborgenen bewahrt. Aus Verbundenheit mit dem Heimat- und Kulturkreis hat sie nur einen Teil ihrer Arbeit in Rechnung gestellt. Bevor die Figur wieder öffentlich sichtbar aufgestellt werden kann, muss die Farbfassung nun aber noch drei Monate aushärten.

Weitere Bilder in unserer Galerie unter "Madonnenrestaurierung"

Text und Fotos: Ursula Beyer und Maria Cetinbas




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