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Wer war Balthasar Kraft?

Wer war Balthasar Kraft?

i 10. August von U. Beyer

Sein Haus in der Scheyerer Straße trägt wieder seinen Namen, eine Straße am Südrand von Pfaffenhofen ist nach ihm benannt. Ein Seitenaltar in der Stadtpfarrkirche stammt von ihm: Balthasar Kraft, Künstler, Kunsthandwerker, Geschäftsmann.

Die obige Zeichnung stammt aus einem Skizzenbuch von Joseph Kraft (im Privatbesitz von A. Dicker, (Foto: Dr. Monika Ständecke) Es legt nahe, dass sie nach einem Selbstporträt von Balthasar Kraft geschaffen wurde, was allerdings nicht sicher ist.

Geboren wurde er am 14. August 1820 in Pfaffenhofen als Sohn eines Schneiders. Er wuchs mit drei Geschwistern in der Scheyerer Straße 9 und in der Auenstraße 14 auf. Nach seiner Schulzeit erlernte er zunächst das Schreinerhandwerk, ging dann aber nach Nürnberg, um dort bei einem Lithographen und Steindruckereibesitzer eine Lehre zu absolvieren.

Im Jahre 1844, kehrte er in seine Heimatstadt Pfaffenhofen zurück, um sich hier als Lithograph niederzulassen. Dies wurde aber vom Stadtmagistrat nicht genehmigt, einerseits weil er noch kein Prüfungszeugnis vorweisen konnte und zweitens wegen der großen Konkurrenz in Schrobenhausen, Ingolstadt, Freising, München und Augsburg, die sein finanzielles Auskommen in Frage stellte.

Ein Jahr später jedoch, nachdem er in München die Prüfung abgelegt hatte, bewarb er sich erneut, dieses Mal mit einem Zeugnis, was seine Chancen erhöhte. Nicht nur seine außerordentlichen Fähigkeiten, auch als Bildner und Kunstmaler, sondern gleichermaßen die Tatsache, dass die Knabenschule einen Zeichenlehrer brauchte, wirkten sich günstig für ihn aus.
Erst 1847 bekam er von der Regierung von Oberbayern die Konzession für eine Lithographie-Werkstatt und startet damit sein erfolgreiches Unternehmen. 1853 gründet er seine „Kunstanstalt für kirchliche Arbeiten“. und erhielt dazu auch die Fassmalerkonzession. Denn ein Fassmaler bemalt keine Fässer, sondern schafft die farbliche "Fassung" von Altären, Skulpturen, Möbeln etc. Die Kunst des Vergoldens gehörte damals ebenfalls noch dazu.

Doch Balthasar Krafts Konkurrenten schliefen nicht. In den Anfangsjahren musste er sich mehrmals mit ihnen wegen unerlaubter Gewerbeausübung auseinandersetzen, oft sogar mit eigenen Gesellen, die sich selbständig gemacht hatten. Schon 1852 beschwerte sich z. B. ein Maler über Kraft wegen unerlaubter Vergolder-Arbeiten. Andererseits klagte Balthasar Kraft gegen zwei Sattler wegen Bemalens von Wägen und Kutschen. Immer setzte er sich erfolgreich durch. So konnte er im Jahr 1857 das heutige "Balthasar-Kraft-Haus in der Scheyerer Straße 10 erwerben, wo er ein Atelier und Verkaufsräume einrichtete.

Balthasar Kraft schuf neben Altären, Kanzeln, Kirchengestühl, Figuren und Gemälden auch Lourdes Grotten - nicht jedoch die im Turm der Pfaffenhofener Stadtpfarrkirche. Vor allem hatte er europaweiten Erfolg mit seinen Heiligen Gräbern, die zur Osterzeit auch heute wieder in manchen Kirchen aufgebaut werden, z. B. in Niederscheyern. Die beweglichen Kulissen zur Darstellung von Christi Grablegung und Auferstehung lieferte Krafts Kunstanstalt per Bahn bis nach Polen, Südtirol und in die Niederlande. Bei der Wiener Weltausstellung 1873 erhielt ein von ihm gefertigter Prototyp sogar eine Auszeichnung.

Welche Werke von Balthasar Kraft fallen in und um Pfaffenhofen ins Auge? Da sind zum Beispiel die beiden Fassadenfiguren an seinem Haus in der Scheyerer Str. 10, der Marienaltar in der Stadtpfarrkirche und das Heilige Grab in Niederscheyern, um nur die auffälligsten zu nennen.

Für die Kapelle in Streitdorf schuf er den neugotischen Altar. Auch die Kirchen in Ilmendorf, Gachenbach, Eisenhut, und Arnbach lassen seine charakteristische "Handschrift" erkennen. Wer eine Kirche besichtigen will, die vollständig von ihm ausgestaltet wurde, wird in Pörnbach fündig, in St. Johannes Baptist am Kirchplatz.

Als Maler zählt man Balthasar Kraft zu den "Nazarenern", die - vereinfacht erklärt - in religiösen Bildern tiefe, manchmal etwas „innig“ geratene Frömmigkeit ausdrücken wollten. Zum Beispiel der Heilige Isidor am linken Seitenaltar der Pfarrkirche in Waidhofen ist so tief in seine Andacht versunken, dass er seine Arbeit vergisst. Diese führen, um ihm eine Bestrafung durch seinen Dienstherren wegen Säumnis zu ersparen, im Hintergrund Engel aus .

Leider sind viele von Balthasar Krafts Werken unsigniert, erst mit zunehmendem Selbstbewusstsein signierte der Künstler seine Werke in den Jahrzehnten nach 1860.

Nach seinem Tod im Jahre 1889 führten seine Söhne und Schwiegersöhne seine Arbeit weiter.

Für die Informationen sei folgenden Personen gedankt:
Andreas Sauer, MA, Historiker, Stadtarchivar in Pfaffenhofen
Dr. Monika Ständecke, Kunsthistorikerin und Volkskundlerin, Spezialistin für Balthasar Kraft

Für eine Rückmeldung der Besitzer von Joseph Krafts Skizzenbuch unter kontakt@hkk-paf.de oder 08441-803956 wäre der Heimat- und Kulturkreis dankbar.

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Quellen:
Andreas Sauer: Vortrag über Leben und Werk des Malers Balthasar Kraft am 25. April 2019 im Balthasar-Kraft-Haus
Dr. Monika Ständecke: Führungen zu Balthasar Kraft am 24. 01. 2015 an der Kapelle in Streitdorf und zu Kirchen in Eisenhut, Gachenbach und Waidhofen am 25. 7. 2015

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