Neues und Historisches

Archäologische Funde in Pfaffenhofen - neue Erkenntnisse

Archäologische Funde in Pfaffenhofen - neue Erkenntnisse

i 25. September 2015 von U. Beyer

Die archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände des ehemaligen Café Herb sind abgeschlossen. Nach einer gratis Führung auf Anfrage des Heimat- und Kulturkreises Pfaffenhofen hält der Grabungsleiter Bernd Kriens von der Ausgrabungsfirma ADA den Verein über Funde und neue Erkenntnisse auf dem Laufenden. Fotos in unserer Galerie.

Der Archäologe hat sich im Vorfeld mit der Geschichte Pfaffenhofens befasst und auch schon auf dem Nachbargrundstück archäologische Grabungen durchgeführt. So kann er die Funde in einen größeren Zusammenhang setzen, sie deuten, oder damit überholte Theorien widerlegen.

Wo der Laie nur Erde in verschiedenen Farbschattierungen sieht, kann der Archäologe Geschichte(n) erzählen. Aufgefundene Pfostenlöcher weisen u.a. auf den Brand von 1388 hin durch verkohltes Holz und Verziegelung der umgebenden lehmhaltigen Erdschicht. Eine breitere verfüllte Grube mit Feuerspuren und Knochenresten stellt eine Gargrube bzw. Räuchergrube dar. Darin wurde gekocht bzw. Lebensmittel durch Rauch desinfiziert oder haltbar gemacht, weil sie sonst schnell schimmelten.
Weitere Funde sind bisher unter Anderem: zwei Münzen, ein Reitersport, eine Pfeilspitze, Fragmente eines Noppenbechers aus Glas, Ofenkacheln aus dem 14. Jh.
Folgendes kann man aus den Funden erschließen:
Die Menschen, die auf diesem Gelände einst lebten, waren wohlhabend (Silbermünzen, Glas, Reitersporn).
Die älteste Münze, die hier gefunden wurde, ist ein schwäbischer Heller, nicht - wie zuerst vermutet - aus der Zeit zwischen 1200 und 1350, sondern es handelt sich um eine sehr seltene Nachprägung aus dem 15. Jh. Darauf lässt der Buchstabe in der Handflächenprägung schließen: ein V oder U - das heißt, die Münze wurde in Augsburg oder Ulm nachgeprägt . Auch die zwei Punkte sind ein Hinweis auf schwäbischen Ursprung. Pfaffenhofen durfte vor dem Stadtrecht, also vor dem Brand 1388, keine Münzen prägen, daher wurden schwäbische Heller verwendet. Diese Münze ist relativ gut erhalten, weil der Silbergehalt höher ist als in der zweiten, kleineren Münze, die wegen des höheren Kupfergehalts als jünger einzuschätzen ist (spätes Mittelalter, Wende des 15. auf das 16. Jh.). Münzen wurden im Mittelalter hinsichtlich der Metallmischung immer schlechter - und kleiner.

Bei einem weiteren Metallfunden handelt es sich allem Anschein nach um eine Pfeilspitze, eindeutig für den Kriegseinsatz, mit Vierkantform zum Aufsprengen der Kettenringe eines Kettenpanzers. Sie war auch zum Durchschlagen einer Plattenrüstung geeignet. Das Stück wurde offenbar benutzt, denn die Spitze ist leicht gestaucht. Wir haben also zumindest ein Indiz dafür, dass der Brand von 1388 direkt mit Kampfhandlungen zu tun gehabt haben könnte, auch wenn wir nicht wissen, was der Schütze getroffen hat.

Im Erdreich gibt es Anzeichen, dass die Häuser nach dem Niederbrennen im Städtekrieg nicht gleich wieder aufgebaut wurden, sondern dass die Erde zunächst eine Zeitlang (20 - 50 Jahre) brach lag. In der vorhandenen Humusschicht könnte man durch Pollenanalyse auch feststellen, was hier in früheren Zeiten wuchs.

In der Mitte des Grundstücks befand sich ein gemauerter Keller, der erst nach dem Bau der Stadtmauer entstand. Pfostengruben nahe der verbliebenen Fassade lassen darauf schließen, dass sich darüber ein Fachwerkgebäude erhob. Es gab also drei Bauphasen: 1. Holzbauten - 2. gemauerter Keller unter einem Fachwerkhaus - 3. vollständiger Ziegelbau.

Grabungsleiter Bernd Kriens sieht den Sinn der Archäologie darin, in Zeiten schneller Entwicklung zu retten, was zu retten ist. Sie soll Geschichte und Tradition festzuhalten, denn sie sei für einen Ort, eine Region identitätsstiftend.
Der Archäologe bedauert, dass es in Pfaffenhofen kein Museum gibt, in dem man die Funde zeigen kann, und sprach dem Heimat- und Kulturkreis damit aus der Seele.

Wer sich für Ausgrabungen in Pfaffenhofen interessiert kann sich freuen auf zwei Vorträge im nächsten Frühjahr vom Archäologen Bernd Kriens und von Ruth Sandner vom Landesamt für Denkmalpflege, zuständig für Bodendenkmäler.

Fotos: B. Kriens, B. Kassner, E. Gruber, U. Beyer, veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung durch das Landesamt für Denkmalpflege.

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