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Häusergeschichten: Der Pfaffelbräu

Häusergeschichten: Der Pfaffelbräu

i 3. Oktober 2017 von U. Beyer

Gerne sitzen im Sommer die Gäste unter den Sonnenschirmen vor dem Pfaffelbräu am Hauptplatz gegenüber der Stadtpfarrkirche und genießen die Atmosphäre.

"Der Pfaffel" ist eines der ältesten Gebäude Pfaffenhofens. Dokumentarisch erfasst wurde es als Gastwirtschaft erstmals 1595, als der damalige Besitzer, Brauer und Bürgermeister, "Bier ohne Satz" ausgab und dafür im Turm landete. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) baute es Christoph Pfäffel (Besitzer seit 1630) wieder auf. 1807 wurde das Eckgebäude vereinigt mit dem benachbarten „Frühmessner-Haus“, wo bis ins 19. Jh. der Geistliche wohnte, der die Frühmesse lesen musste.

Dass unter dem Dach der ehemaligen Brauerei früher Getreide und Hopfen gelagert wurde, verraten die beiden "Ladeluken" am Giebel. Durch sie wurden Säcke eingeholt, die ein Flaschenzug nach oben beförderte. Dagegen zeigt das geschwungene Dach des Erkers am ehemaligen Frühmessner-Haus neubarocke Einflüsse aus der Renovierungszeit um 1887.

Bei den Renovierungsarbeiten machte man in einer Doppelwand unter dem Dach einen ungewöhn-lichen Fund: ein zwei Meter hohes Kruzifix aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der Spätgotik. Wie war es dort hingekommen?
Vermutlich hatte es in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges oder eines der späteren Erbfolgekriege der damalige Kaplan aus der Stadtpfarrkirche entfernt und hier in seinem Wohnhaus versteckt, um es vor Plünderern zu retten. Dann musste er fliehen und kam nicht zurück. Jahrhunderte vergingen, der Schatz und das Versteck gerieten in Vergessenheit, das Frühmessner-Haus wurde dem Pfaffelbräu einverleibt, die Wirte wechselten.
Als das Kreuz 1887 wieder aufgetauchte, nahmen es das damalige Wirtsehepaar an sich und hielt es in Ehren. Lange nach dem Tod des Wirts bestimmte seine Witwe auf dem Sterbebett in einem Gespräch mit dem Spitalbenefiziat das wertvolle Kruzifix zur Übergabe an die Franziskaner. So kam es 1950 ins Franziskanerkloster nach Ingolstadt.
Jahrelang bemühte sich der Heimatforscher Heinrich Streidl darum, es wieder nach Pfaffenhofen zu holen – vergeblich. Bevor er starb, musste ihm sein Freund und Nachfolger Reinhard Haiplik versprechen, sich weiter dafür einzusetzen. Erst als das Ingolstädter Franziskanerkloster aufgelöst wurde, entdeckte man diesbezügliche Briefe, und so gelangte das Kreuz zurück. Seit 2005 hängt es wieder dort, wo es hingehört: im Altarraum der Stadtpfarrkirche – als Dauerleihgabe.

Der Pfaffelbräu war eine von ehemals 13 Brauereien am Ort. Er ist erhaltenswert als Zeugnis der Stadtgeschichte sowie unserer Brau- und Gaststättentradition.

(Quellen: Streidl: Häuserchronik, Denkmalliste, Aussagen von Reinhard Haiplik) (U.B. 2016)

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