Neues und Historisches

Denkmal-Oscar geht nach Pfaffenhofen

Denkmal-Oscar geht nach Pfaffenhofen

i 16. Oktober 2016 von Frieder Leipold

Der Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung gilt als die renommierteste Auszeichnung im Bereich der Denkmalpflege. 2016 ist Maria Magdalena Cetinbas für das Weberhäusl in Pfaffenhofen eine der drei Gewinner. Das Foto aus dem Stadtarchiv zeigt das Weberhäusl am Draht mit seiner Umgebung im Jahre 1955

Bereits seit 1986 wird der Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung vergeben. Die Auswahl der Gewinner zum Jubiläum im dreißigsten Jahr hat Signalwirkung: Nicht nur repräsentative Schlösser und Burgen, in denen letztlich nur eine Minderheit der Bevölkerung lebten, sind schützenswert. Bei zwei der drei ausgezeichneten Objekte handelt es sich um Wohnhäuser der normalen Bürger, im Falle des Weberhäusls sogar um das bescheidene Anwesen von Kleinstbauern. Doch gerade solche Denkmäler bezeugen heute noch die Lebenswelt der Mehrheit der Menschen in früheren Jahrhunderten.

Für den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung kann man sich nicht selbst bewerben, sondern muss von einer von zwölf staatlichen Institutionen in Bayern vorgeschlagen werden. Das Weberhäusl in Pfaffenhofen war 2016 der einstimmige Kandidat, den die Regierung von Oberbayern ins Rennen schickte. Am 13. Oktober 2016 wurden die Preise in der Allerheiligen Hofkirche in der Münchner Residenz verliehen. Bei der Laudatio auf die Pfaffenhofener Preisträgerin Maria Magdalena Cetinbas betonte Prof. Dr.-Ing. Uta Hassler, die Jury-Vorsitzende für den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung, dass die Preisträgerin sie vor allem durch ihre „kluge und poetische“ Vorgehensweise überzeugt hatte.

Am Tag der Auszeichnung hatte Stadtarchivar Andreas Sauer noch eine weitere freudige Überraschung für Maria Magdalena Cetinbas. Auf einer Fotografie konnte er einen der früheren Bewohner des Weberhäusls identifizieren. Der Spenglergehilfe Ludwig Forstmeier lebte 1907 zusammen mit seiner Frau, der Wäscherin Therese Dersch in dem kleinen Häuschen an der Draht.

Das Weberhäusl in Pfaffenhofen ist eines der letzten erhaltenen Greddachhäusern, die früher die übliche Bauform im Pfaffenhofener Land waren. Nach einem Brand im Jahr 1704 wurde der heutige Bau im Folgejahr neu errichtet.

Der Denkmalpreis wird von der Hypo-Kulturstiftung gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst verliehen.

Wortlaut der Begründung für die Auszeichnung:
„Das ehemalige Kleinbauernhaus mit Greddach und Stüberlvorbau wurde nach einem Brand in den Jahren 1704/1705 neu errichtet und 1870 erweitert; Grundmauern stammen noch von 1639. 1957 wurden grobe Umbauarbeiten vorgenommen, die zu erheblichen Schäden durch unsachgemäße statische Eingriffe und Feuchtigkeit führten. Maria Magdalena Cetinbas konnte das über Jahre weitgehend ungenutzte Gebäude von der Stadt Pfaffenhofen kaufen.
Reparatur und Erhaltung des „Weber-Häusl“ in Pfaffenhofen an der Ilm sind vorbildhaft in vielerlei Hinsicht: Das bescheidene Anwesen wurde von Frau Cetinbas mit Augenmaß, großer formaler Sicherheit und wohlüberlegtem Mitteleinsatz instandgesetzt. Alle Maßnahmen sind handwerklich und ästhetisch gelungen, die neue Bewirtschaftung von Haus und Garten entspricht in kluger Zurückhaltung dem überlieferten Bestand. Das Haus ist ein letzter Fixpunkt in einer weitgehend veränderten vorstädtischen Situation, die Jury hebt besonders hervor, dass hier mit sehr bescheidenen Mitteln und großem persönlichen Engagement ein schönes Zeugnis langer und eindrucksvoller profaner Baugeschichte für die Zukunft gerettet werden konnte.“

Quelle: http://www.hypo-kulturstiftung.de/kulturstiftung/preistraeger/details/weber-haeusl-in-pfaffenhofen-an-der-ilm/ [Dort auch Pressebilder]

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