Neues und Historisches

Pfaffenhofen - Stadt ohne Museum? Es ist Zeit zu handeln. Pfaffenhofen - Stadt ohne Museum? Es ist Zeit zu handeln.

Pfaffenhofen - Stadt ohne Museum? Es ist Zeit zu handeln.

i 26. Januar von U. Beyer

Was sucht ein Tourist in Pfaffenhofen? Er kann im Gartenschaugelände herumspazieren, in einem der Cafés einkehren, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, er kann die Kirchen besichtigen, doch was tut er dann?

Im Gegensatz zu allen anderen Orten ähnlicher Größenordnung hat die Kreisstadt Pfaffenhofen kein Museum zu bieten. Zwar gibt es noch das Lebzelter- und Wachszieherei-Museum im Café Hipp, das nach den geplanten Baumaßnahmen mit besucherfreundlichem Konzept wieder eröffnet wird, Doch das Josef-Maria-Lutz-Museum ist nur in Ausnahmefällen zugänglich. Und einen Ort, an dem die Geschichte und Kulturentwicklung Pfaffenhofens und der Region anschaulich präsentiert wird, sucht man vergeblich.

Bis 2014 hatte die Stadt zumindest ein gelegentlich geöffnetes Museum religiöser Kunst im sog. Mesnerhaus schräg gegenüber der Stadtpfarrkirche. Doch es ist geschlossen, weil es den Brandschutzvorschriften nicht mehr entspricht. Zudem waren sowohl die Exponate als auch das Museumskonzept angestaubt. Da das Gebäude der Diözese Augsburg gehört, haben Stadt und Landkreis Pfaffenhofen kein Interesse, große Summen darin zu investieren.
Die Pläne eines Umzugs in den Spitalkirchenanbau mit modernem Konzept sind am Nein des Stadtrates gescheitert. Grund: zu hohe Kosten für ein Museum, das sich nur mit Religion befasst, auf zu engem Raum.

Nun schlummern im geschlossenen Mesnerhaus Zeugen der Volksfrömmigkeit, z.B. Votivgaben aus der örtlichen Wachszieherei und Lebzelterei, Prozessionsfahnen, eine davon bemalt vom Pfaffenhofener Kirchenmaler Balthasar Kraft, gruselige Totenbretter etc.. In einer Scheune in Heißmanning verstauben eine Menge anderer geschichtsträchtiger Dinge mit Lokalbezug: uralte Ausgrabungsfunde, eine Hallertauer Tracht, ein typischer Aussteuerschrank, das Modell eines regionaltypischen Bauernhofs, komplette Werkstätten (z.B. die des Hutmachers Böller), das 'Hindenburg-Mahnmal', das 1916 an der Stadtpfarrkirche enthüllt wurde, ein Fluchtwagen aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs etc. etc. etc. Jedes dieser Stücke kann eine Geschichte erzählen.

Ein Museumskuratorium sucht seit Jahren nach einer Lösung. In naher Zukunft kommt jedoch zwangsläufig Bewegung in die Angelegenheit, denn das denkmalgeschützte Mesnerhaus soll verkauft werden, weil Geld für die Restaurierung der Kirche benötigt wird.

Auf lange Sicht braucht Pfaffenhofen ein Museum mit modernem Konzept, möglichst interaktiv, mit wechselnden Ausstellungen und regelmäßigen Führungen zu verschiedenen Themen für Schulen, Bürger und interessierte Gäste. Es könnte die ganze Geschichte der Stadt und der Region veranschaulichen, die Entwicklung ihrer Kultur und Gesellschaft, von der allerersten Besiedlung um 4500 vor Christus bis zur multikulturellen, wirtschaftsstarken Kleinstadt als Mittelpunkt einer höchst lebenswerten Region. Exponate und Fotos sind vorhanden, doch die Menschen, die die Geschichten dahinter kennen, sterben aus. Es ist Zeit zu handeln.

Trotz hoher Investitionen in Gartenschau, Schulneubau, Hallenbad mit Sauna etc. muss Pfaffenhofen auch in die Belebung unserer stummen Zeitzeugen investieren, in ein kollektives Gedächtnis für Einheimische, in eine Informationsquelle für Neubürger und Gäste. Unsere Region gehört zu den wirtschaftlich stärksten Deutschlands und der Welt. Da sollte doch ein Museum für die Kreisstadt erschwinglich sein.

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