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Häusergeschichten: Das Rentamt - Hauptplatz 20 Häusergeschichten: Das Rentamt - Hauptplatz 20

Häusergeschichten: Das Rentamt - Hauptplatz 20

i 6. November von U. Beyer

Um 1388 wütete der Städtekrieg zwischen dem Schwäbischen Städtebund und den bayerischen Herzögen. Auf dem Weg von Augsburg nach Regensburg zündete das Heer des Städtebundes jede unbefestigte Ortschaft an, die ihm in den Weg kam. Dabei brannte Pfaffenhofen (wie auch Schrobenhausen) fast völlig nieder.
Aus diesem Grund gestattete Herzog Albrecht dem Ort, Ziegel zu brennen und eine Befestigungsmauer zu bauen. Erst nach deren Vollendung wurde Pfaffenhofen 1438 zur Stadt erhoben. Aus dieser Bauzeit stammt der älteste Profanbau am Hauptplatz, das sogenannte Rentamt, erbaut ca. 1430.

Vorher stand an dieser Stelle eine Burg, der Sitz der herzoglichen Verwaltung. Nach dem verheerenden Brand, überließ Herzog Albrecht II das Grundstück der Bürgerschaft für ein Rathaus, allerdings nur auf Widerruf und unter der Bedingung, dass es einen dreistöckigen Getreidespeicher für das Kurfürstliche Kastenamt bieten musste. Im Zuge der staatlichen Umstrukturierung von 1803 wurde das Gebäude zum "Kurfürstlichen Rentamt", d. h. einer Finanzverwaltungsbehörde. Der Schriftzug prangt noch heute über dem Eingangsportal. Die Stadt war aber nun genötigt, an anderer Stelle ein neues Rathaus zu errichten. Die Bezeichnung "Rentamt" für den historischen Bau ist geblieben, obwohl er 1976 an den Landkreis verkauft wurde und seither zum Landratsamt gehört.

Der Pfaffenhofener Künstler Eduard Luckhaus (1910 - 1975) rekonstruierte das ursprüngliche Aussehen nach alten Stichen und Plänen. Danach hatte das Gebäude ein Satteldach mit gotischen Zinnen und einem Türmchen über dem spitzen Giebel. Rings um das Erdgeschoß waren Läden angebaut: u. a. das Brothaus, in dem das Brot der hiesigen Bäcker täglich begutachtet werden musste, bevor es hier verkauft wurde. Das "Brothausbankerl" an der Südseite des Rentamts ist noch heute nach dieser mittelalterlichen Einrichtung benannt.

Die spät-mittelalterliche Bausubstanz ist noch an den meterdicken Mauern und den Gewölben erkennbar, wie sie in dem Blumenladen neben der Freitreppe zu bewundern sind.
Ansonsten hat sich das Aussehen des Rentamts im 19. Jahrhundert stark verändert: Das schadhafte Satteldach wurde durch ein Walmdach ersetzt, wobei Zinnen und Türmchen verschwanden, die Anbauten wurden abgebrochen, die zweiarmige Freitreppe und die Fassadenmalerei wurden angebracht.

Was stünde hier heute, wenn es der Freistaat Bayern beim Verkauf 1976 nicht zur Auflage gemacht hätte, das historisch bedeutende Gebäude zu erhalten?
(Ursula Beyer, Nov. 2018)

Quellen:
Adelheid Schurius: Die Stadt Pfaffenhofen an der Ilm im Wandel der Zeit. Pfaffenhofen 2017
Heinrich Streidl: Häuserchronik der Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm. W. Ludwig Verlag Pfaffenhofen 1982
Heinrich Streidl: Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm. W. Ludwig Verlag Pfaffenhofen 1980²

https://www.landkreis-pfaffenhofen.de/default.aspx?ID=862efc90-6071-4525-a0d6-2995d391241a (4. 11. 2018)

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