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Häusergeschichten: "Der Weilhammer"

i 5. März von U. Beyer

"Weilhammer Klamm" heißt im Volksmund die enge Einmündung der Münchener Straße in den Hauptplatz. Früher führte die B13 hier durch, was nicht ganz ungefährlich war: Im April 1964 sollte ein Bagger durch die Engstelle zum Bahnhof transportiert werden. Doch der Schwenkarm verlor den Halt, krachte in die Ecke des Hauses auf der linken Straßenseite und riss im ersten Stock ein riesiges Loch, so dass die eingeschlagenen Mauerstücke im Bett der Hausbesitzer landeten. Ihren Namen hat die Klamm jedoch von dem reich verzierten Geschäftshaus gegenüber, das über Generationen hinweg den Namen Weilhammer trug.

Schon 1620 wurde das Gebäude in einem Schuldbrief dokumentiert. Gut 200 Jahre lang war es eine Bäckerei. 1838 heiratete ein Joseph Weilhammer aus Eichstätt ein. Über 175 Jahre blieb das Haus im Besitz seiner Familie, bis es 2006 von Hans Zirngibl erworben wurde. "Beim Weilhammer" kaufte man anfangs "Kolonialwaren" (Grundnahrungsmittel und Haushaltsbedarf wie z. B. Seife und Waschmittel), nach dem Ersten Weltkrieg "Kurz-, Weiß- und Schnittwaren" (Stoffe, Nähzubehör und Unterwäsche) und schließlich Damenmode und Gardinen, bis das Schuhgeschäft Zirngibl hier einzog.

In der Häuserchronik des Heimatforschers Heinrich Streidl ist weder eine Zerstörung noch ein Neubau verzeichnet. Doch der Schriftzug "RENO - 1892" links und rechts vom oberen Fenster beweist, was der Baustil nahelegt, nämlich dass in diesem Jahr insbesondere die Fassade modernisiert und im gerade angesagten Stil des Historismus herausgeputzt wurde. Der Stuckateur Meister Stirmlinger aus Kronach hat dabei tief in die Requisitenkiste dieser Retro-Stile gegriffen: Die Schnörkel und weitere Stuckaturen entsprechen dem Neubarock und Neurokoko. Die meisten Stilelemente entstammen allerdings, wie die Denkmalliste bestätigt, der Neurenaissance, so die horizontale Gliederung durch Gesimse, die Säulen in der Balustrade, die Rundbögen über den Fenstern in der 1. Etage, die Obelisken am Giebel. Je länger man das Gebäude betrachtet, umso mehr dekorative Details fallen einem auf (Karyatiden, Schleifen, Olivenzweige, Blüten, Putten, Muscheln und sogar ein Löwe).

In den 1970er Jahren wollte der damalige Eigentümer einen Neubau errichten. Er bekam die Genehmigung, unter der Bedingung, wegen der Nähe des historischen Rathauses die alte Fassade zu erhalten.

Bis 2012 stand das Gebäude noch auf der Denkmalliste: "D-1-86-143-14 Hauptplatz 7. Wohn- und Geschäftshaus mit reicher Neurenaissance-Fassade, bez. 1892 ". Doch bei der Nachqualifizierung (eine Art Inventur der Baudenkmäler) wollte man Teile von Gebäuden grundsätzlich nicht mehr als schutzwürdig anerkennen und strich den Weilhammer von der Liste. Und das obwohl die Fassade - wie es das Denkmalschutzgesetz verlangt - immer noch aus ihrer Originalsubstanz besteht, immer noch von künstlerischer und städtebaulicher Bedeutung ist, immer noch Zeugnis unserer kulturellen Entwicklung ablegt.

Der Heimat- und Kulturkreis protestierte bei den obersten Vertretern der Denkmalbehörden gegen diese Aufhebung des Denkmalstatus, doch bisher vergeblich, denn angeblich sei die Fassade durch den Ensembleschutz gesichert. Aber der Ensembleschutz ist nur ein Papiertiger. In Wirklichkeit ist es dem gegenwärtigen Eigentümer Hans Zirngibl und seiner Familie zu verdanken, dass dieses Schmuckstück im Herzen Pfaffenhofens erhalten bleibt - auch ohne behördlichen Schutz.

Fotos: U. Beyer, Stadtarchiv, Fundus des HKK


Quellen:
Denkmalliste des BLfD aus dem Jahre 2012
Heinrich Streidl: 125 Jahre Weilhammer. in: Unsere Heimat Nr. 4 (1963)
Heinrich Streidl: Häuserchronik der Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm. 1982
Heinrich Streidl: Stadt Pfaffenhofen a. d. Ilm. 1980²
Ilmgaukurier 7. April 1964

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