Neues und Historisches

Wissenschaftskrimi um archäologische Entdeckung bei Freising

Wissenschaftskrimi um archäologische Entdeckung bei Freising

i 18. Januar von U. Beyer

Eine sensationelle archäologische Entdeckung war Thema eines Vortrags von Dr. Manfred Moosauer, dem Arzt und "Hobbyarchäologen".

Auf Einladung des Heimat- und Kulturkreises Pfaffenhofen kam er am 17. Januar 2018 an das Schyren-Gymnasium, um über seine Entdeckung zu sprechen: die bronzezeitlichen Befestigung bei Kranzberg, zwischen Allershausen und Freising. In einem lebhaften Powerpoint-Vortrag referierte er über die Grabungsstätte, die archäologischen Funde, Schwierigkeiten und Anschuldigungen.

Das 22 Fußballfelder große Areal war ein Kultplatz sowie ein Wirtschafts- und Handelszentrum der europäischen Bronzezeit. Es gehört zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahre und gilt als , die größte Befestigung der Mittleren Bronzezeit nördlich der Alpen.

Für seine Verdienste erhielt Dr. Moosauer im Jahr 2014 die bayerische Verfassungsmedaille in Silber. Zu seinem Entsetzen wurde er aber auch in einen "Wissenschaftskrimi" verwickelt: Der in Bernstorf aufgefundene Goldschmuck war durch die Bundesanstalt für Materialforschung geprüft worden. Der Chemiker und Archäologe Ernst Pernicka argumentierte, dass es so reines Gold in der Mittleren Bronzezeit noch nicht gegeben habe. Es seien also „moderne Imitationen“. Dem widersprachen Rupert Gebhard, Leiter der Archäologischen Staatssammlung in München, und Rüdiger Krause, der für die Bernstorfer Grabung verantwortliche Frankfurter Archäologe. Sie begründen den Reinheitsgrad damit, dass bereits in der Antike Gold durch eine Behandlung mit Kochsalz geläutert wurde. Der Bernstorfer Fund ähnele chemisch der Goldverzierung auf dem sogenannten Sarg des Echnaton.

Entscheidender als das Gold ist allerdings ein Bernsteinfund, der eine klare Verbindung herstellt zwischen dem Fundort, nämlich der Ostsee, und dem Ort der Bearbeitung, nämlich dem Mittelmeerraum. Griechische Fachleute bestätigten, dass der gravierte Stein ein mykenisches Siegel war. Er muss also zweimal auf die Reise quer durch Europa gegangen und schließlich bei Bernstorf gelandet sein. So beweist er die bronzezeitlichen Beziehungen zwischen der mykenisch/minoischen Kultur mit dem Ostseeraum, und dass sich die Handelsstraße durch Bayern zog.

Wegen der großen Bedeutung der Funde von Bernstorf für ganz Europa entstand in Kranzberg am Pantaleonsberg das Bronzezeit-Bayern Museum, dessen Besuch sich lohnt.

Bronzezeit Bayern Museum: Pantaleonstraße 18, Kranzberg. Donnerstags und sonntags, 14 Uhr bis 17 Uhr. 08166/68 960 oder info@kranzberg.de

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