Neues und Historisches

Häusergeschichten: das Mesnerhaus

Häusergeschichten: das Mesnerhaus

i 17. Januar 2017 von U. Beyer

Das sog. Mesnerhaus in der Scheyerer Str. ist eines der wenigen vollständig erhaltenen Baudenkmäler in Pfaffenhofen. Die Nähe zur Kirche hat sogar seine Geschichte beeinflusst.

Laut Denkmalliste des Landesamtes für Denkmalpflege wurde es um 1788 erbaut. Aus Heinrich Streidls Häuserchronik geht aber nur eine Renovierung um diese Zeit hervor. Denn schon vorher ist das Anwesen urkundlich erwähnt, zuerst im Grundbucheintrag am 20. Dezember 1666, als es ein Schäffler namens Veit Kneißl um 30 Gulden erwarb, d.h., das Haus ist viel älter.
Kneißl vererbte es 1690 an seinen Sohn Matthias Kneißl (Namensvetter des späteren berüchtigten Räubers). Matthias heiratete dreimal. Zuerst eine Metzgerstochter, nach deren Tod eine Pfarrmesners-Tochter und schließlich eine Weißbierschenkentochter von Geisenfeld. Er kam 1747 "auf die Gant", d.h. er machte Konkurs. Deshalb ging das Haus in den Besitz der Stadt über und wurde weiterverkauft. Das Gleiche geschah bis 1786 dreimal hintereinander, bis es an Stadtpfarrer Peter Meindl ging. Die Ursache für die finanziellen Schwierigkeiten dieser drei Hausbesitzer mag mit den Wirren des Österreichischen Erbfolgekrieges 1740-1748 zusammenhängen. Kontributionszahlungen belasteten die Bürger, und 1745 wurde Pfaffenhofen von Panduren überfallen und geplündert, wovon sich manche über Jahre hinaus nicht erholten.
Pfarrer Meindl renovierte und verkaufte das Gebäude. Wieder wechselte es mehrfach den Besitzer, bis es 1834 durch Tausch gegen das Nachbarhaus an die Kirchenstiftung ging und zum "Neuen Mesnehaus" ernannt wurde.
Der letzte Mesner, der darin wohnte, war der Vater des heutigen Stadtratsmitglieds Peter Fessl, der als Kind (nach eigener Aussage) bis 1958 dort gelebt hat.
Danach tobten Pfadfinder durch das Haus. 1976 wurde es erneut renoviert, bevor das Heimatmuseum einzog. Dieses ist nun seit Jahren aus Feuerschutzgründen geschlossen.

Äußerlich fällt das Gebäude auf durch sein Mansardwalmdach, das frühklassizistische Stuckdekor und die kleinen Eckfenster in Richtung Stadtpfarrkirche. Durch diese Fenster hatte der Mesner die Kirchturmuhr im Blick, die ihm während der Messe angab, wann es Zeit wurde, wieder in die Kirche hinüber zu gehen.

Leider nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sind einige Besonderheiten im Inneren. Sehenswert wären vor allem die originalen Barocktüren und ganz besonders der ungewöhnliche Dachboden mit dem historischen Dachstuhl und zwei zusammenlaufenden Kaminen. Was für ein schöner Raum für Veranstaltungen wäre das!

(In unserer Galerie gibt es noch mehr Fotos zu sehen.)

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