Neues und Historisches

Denkmalschutz für Fassaden sowie Ensembleschutz

Denkmalschutz für Fassaden sowie Ensembleschutz

i 24. November 2016 von U. Beyer

Pfaffenhofen als Beispiel für überregionale Problematik

Das Denkmalnetz Bayern, dem zahlreiche Bürgerinitiativen und Vereine angeschlossen sind, befasste sich bei seiner Jahrestagung am 29. Oktober 2016 in Landshut u. a. mit dem Pfaffenhofener Hauptplatz, der unter Ensembleschutz steht.
Seit zwei Jahren hat sich der Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen eingesetzt für die Beibehaltung des Denkmalschutzes für verbliebene Fassaden nach Umbau bzw. Neubau dahinter - leider vergeblich. Nun ist für Montag, 28. November ein Gespräch im Landesamt für Denkmalpflege anberaumt, mit dem Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil, seinem Stellvertreter, der für Pfaffenhofen zuständigen Gebietsreferentin und anderen.

Bisher wurden dem Anliegen des HKK folgende Thesen entgegengehalten:
• Eine Fassade allein sei kein Denkmal.
• Die Fassaden in einem Ensemble seien durch den Ensembleschutz gesichert.
• "Selbstständige Denkmäler können nach Mitteilung des BLfD aber nur Teile einer Sache sein, die einer selbständigen Bewertung zugänglich sind, z.B. das Dach eines Gebäudes, nicht dagegen jedoch Teile, die, wie z.B. die Fassade eines existierenden Hauses, keiner selbständigen Betrachtungsweise zugänglich sind." (Zitat aus einem Brief vom 21.1.2016)

Was spricht dafür, ein denkmalgeschütztes Gebäude vollständig aus der Denkmalliste zu streichen, wenn es unter Beibehaltung der Fassade neu errichtet wird? Was spricht dagegen, allein die übrig gebliebene Fassade unter Denkmalschutz zu belassen?

Es besteht wohl die Befürchtung, damit würde eine Schleuse geöffnet für Nachahmung, so dass z.B. aus einem Ensemble schließlich ein Potemkinsches Dorf werden könnte. Aber die Fassade besteht immer noch aus der historischen Originalsubstanz, und Art. 1 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes kann durchaus auf sie angewendet werden: "Denkmäler sind von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt." Denn wenn die künstlerische und städtebauliche Bedeutung für das ganze Gebäude anerkannt war, wird der noch bestehende, sichtbare Teil nicht unbedeutend. Die Regelung, diesen Artikel nicht auf Fassaden zu beziehen, ist unseres Erachtens willkürlich und denkmalbewussten Bürgern nicht vermittelbar.

Der HKK fordert zwar nicht, dass nun jede historische, stadtbildprägende Fassade unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Aber in dem Verein sieht man es als schweren Fehler an, den Denkmalschutz ganz aufzuheben, wenn ein Gebäude unter Beibehaltung der Fassade neu errichtet wird oder durch Umbauarbeiten die inneren Denkmalbestandteile beseitigt werden. Denn gerade die Fassaden sind es, die ein Stadtbild prägen, die den Einheimischen am Herzen liegen und Besucher anlocken, die vor allem Identität stiften und Zeugnis über die kulturelle Geschichte eines Ortes geben.

Was geschieht, wenn sich für ein Baudenkmal, z.B. ein Wohn- und Geschäftshaus kein Käufer mehr findet, weil das Gebäude keine lukrative moderne Nutzung mehr zulässt? Es wird dem Verfall preisgegeben, bis es abgerissen werden darf, wie z. B. das Pfaffenhofener Wallnerhaus aus der Barockzeit (Ecke Sonnenstraße / Auenstraße). Ist ein solcher Totalverlust besser als der Erhalt einer historischen Fassade?

Die Pfaffenhofener sind glücklich über die Lösung, die für das ehemalige Café Herb (D-1-86-143-37) gefunden wurde: Neubau unter Beibehaltung der historischen Fassade. Das mehrfach an- und umgebaute Gebäude war im Inneren so verwinkelt und verbaut, dass es für eine rentable Nutzung nicht mehr geeignet war. Es stand zur allgemeinen Besorgnis acht Jahre lang leer, bis es ein ortsansässiger Geschäftsmann kaufte, mit großem Aufwand die bröckelige Fassade stabilisierte, restaurierte und dahinter einen unauffälligen Neubau errichtete. Diese Fassade ist unter anderem deshalb so wichtig, weil sie Bestandteil des Hauptplatz-Ensembles ist.

Die Annahme, eine historische Fassade in einem Ensemble sei nicht gefährdet, ist höchst unrealistisch. Auch Ensembles ändern sich ständig, weil Bestandteile, die nicht ausdrücklich unter Denkmalschutz stehen, durch Neubauten ersetzt werden dürfen. Deshalb ist der Denkmalschutz für verbliebene Fassaden gerade in einem Ensemble unverzichtbar, sonst verliert es nach und nach seinen Charakter, seine geschichtliche, künstlerische, städtebauliche Bedeutung, seine unverwechselbare Identität.

Was ist denn das Ziel des Ensembleschutzes, wenn nicht die Erhaltung wertvoller Teile eines Stadtbildes? Die Art und Weise, wie er gegenwärtig praktiziert wird - jedenfalls in Pfaffenhofen - ist für den Bürger äußerst unbefriedigend, weil die Ersatzbauten für abgerissene Häuser meist abstechen durch andere Fensterformen und nüchterne Schmucklosigkeit, anstatt sich durch Aufgreifen architektonischer Elemente der historischen Gebäude anzupassen, wie z.B. gegliederte Fenster oder Erker.
Wenn der sogenannte Ensembleschutz die architektonische Eingliederung in den Altbaubestand durch Aufnahme traditioneller Gestaltungselemente nicht zulässt, ist er das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht. Deshalb plädiert das Denkmalnetz Bayern für verbindliche Gestaltungssatzungen in der Umgebung von Baudenkmälern und anderen erhaltenswerten Gebäuden.

Außerdem fehlt es derzeit an Kontinuität in der Denkmalpflege unserer Region, solange die zuständigen Personen in der Oberen und Unteren Denkmalschutzbehorde etwa alle zwei Jahre wechseln, weil sie ihren Zeitvertrag bzw. den gering dotierten Posten verständlicherweise als Durchgangsstation sehen. Aber bis sich z. B. die jungen Verwaltungsangestellten in der unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamts eingearbeitet haben, z. B. in Orts- und Baugeschichte sowie Architekturstile, haben sie ensemblestörenden Bauanträgen wenig entgegenzusetzen. Deshalb fordert das Denkmalnetz Bayern in seinem 15-Punkte-Katalog für bessere Denkmalpflege eine verpflichtende Qualifikation des Personals in den Unteren Denkmalschutzbehörden und eine aufgabenadäquate Personalausstattung des Landesamtes für Denkmalpflege.

Trotz einiger Fehlentwicklungen kann sich das Stadtbild Pfaffenhofens noch sehen lassen, dank zahlreicher Hausbesitzer, die ihre schönen alten Gebäude - ob Baudenkmal oder nicht - bisher liebevoll gepflegt haben. Auch der Eigentümer des Schuhhauses am Hauptplatz 7 nahe dem Rathaus versichert, dass er die Fassade in ihrem historischen Zustand erhalten will, auch ohne Denkmalschutz.

Das Anliegen des Heimat- und Kulturkreises bezieht sich nicht allein auf Pfaffenhofen, sondern ist grundsätzlicher Natur. Der Verein hofft, durch deutlichen Ausdruck der Bürgermeinung zumindest Denkanstöße zu geben. Das Ergebnis des Gesprächs im Landesamt für Denkmalpflege bleibt abzuwarten.

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