Neues und Historisches

Geschichte im Untergrund - Archäologie in Pfaffenhofen

Geschichte im Untergrund - Archäologie in Pfaffenhofen

i 14. März 2016 von C. Erdenreich / U. Beyer

Dr. Ruth Sandner, zuständig für Bodendenkmäler beim Landesamt für Denkmalpflege, referierte über die Ausgrabungen der letzten fünf Jahre in Pfaffenhofen. Beim Vortrag im gut besuchten Festsaal des Rathauses wurde deutlich, welch vielfältige Zeugnisse der Vergangenheit im Boden ruhen.

Bürgermeister Herker begrüßte die Gäste im Rathaussaal, darunter auch Stadtratsmitglieder und viele Geschichts- und Archäologie-Iinteressierte.
Der Vortrag, der ursprünglich vom Heimat- und Kulturkreis geplant worden war, wurde im Festsaal des Rathauses so einem größeren Personenkreis zugänglich gemacht.

Dr. Ruth Sandner stellte zunächst die Inhalte und Bedeutung ihrer Arbeit vor: "Uns eilt ein Ruf voraus, der so nicht stimmt" betonte sie. Das Ziel des Landesamtes für Denkmalpflege sei es, Grabungen möglichst zu vermeiden und die vorhandenen Bodendenkmäler dort zu belassen, wo sie sind. Gegraben wird nur bei kleinen und größeren Baumaßnahmen. Diese reichen vom kleinen Kanalbau bis zu großen Neubauten im Zentrum.

Das Denkmalschutzgesetz, das den Umgang mit Denkmälern, auch Bodendenkmälern vorschreibt, gibt es seit 1973, erstmals fachkundig im Rahmen dieses Gesetzes wurde in Pfaffenhofen 1977 gegraben.

Die erfahrene Archäologin stellte dann einige Grabungsbeispiele der letzten fünf Jahre aus Pfaffenhofen vor. Selbst bei kleinen Grabungen, bei denen man eher keine Ergebnisse mehr vermutet, wie etwa im Hof des Landratsamtes, kamen Boden und Keramik der mittelalterlichen Gebäude ans Tageslicht.

Ganz aktuell sind die Grabungen an der Arlmühle, die durch den Umbau für die Landesgartenschau erforderlich wurden. Hier stand bereits 1135 eine Mühle. Auf dem früheren Bortenschlager Areal wurden sechs verschiedene Keller und fünf Brunne gefunden – und eine Besiedelung seit der Jungsteinzeit, als die Menschen sesshaft wurden. Die dort gefundenen Scherben der Münchshöfener Kultur reichen ca. 6.500 Jahre zurück.

Archäologische Funde lassen auch Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen der Vergangenheit. Tierknochenreste in Abfallgruben zeigen, wie viel und welches Fleisch konsumiert wurde - in unterschiedlichen Vierteln der Stadt. Bei den Ausgrabungen auf der Insel im Juni 2015 wurde unter anderem ein Spielzeugpüppchen, Reste eines Noppenglases und farbiges Glas gefunden, was auf Wohlstand und sogar Luxus schließen lässt. Aber auch für Notzeiten gibt es Indizien, z. B. dass nach dem großen Brand von 1388 Grundstücke nicht gleich wieder bebaut, sondern zur Lebensmittelerzeugung genutzt wurden.

Die wissenschaftliche Beurteilung der Funde steht noch aus. Bei der an den Vortrag anschließenden Diskussion wurde schnell klar, dass sich interessierte Bürger sowohl entsprechende Ausstellungen als auch Publikationen wünschen.






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