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Archäologie - allgemein und in Pfaffenhofen Archäologie - allgemein und in Pfaffenhofen

Archäologie - allgemein und in Pfaffenhofen

i 28. Februar 2016 von U. Beyer

Ohne Honorar, aus reiner Begeisterung gab der Archäologe Bernd Kriens (M.A.) Einblick in sein Fach. Er informierte sowohl über jüngste Entwicklungen seiner Wissenschaft als auch über seine Grabungen auf dem Areal des ehemaligen Café Herb und auf angrenzenden Flächen. Ausdrücklich bedankte er sich für die Unterstützung und Geduld der Grundstückseigentümer Familie Nischwitz und der beauftragten Baufirma.

Von den modernen Aspekten der archäologischen Forschung hebt er zwei hervor: ihren Beitrag zur medizinischen Forschung und zur Klimaforschung. Ein eindringliches Beispiel für genetische Erkenntnisse anhand von Grabungsfunden sind die aus der Lichtensteinhöhle im Harz. Dort wurden die Knochen einer bronzezeitlichen Großfamilie gefunden. Ein Speicheltest in der Bevölkerung der Umgebung brachte zwei Nachfahren zutage. Völlig ergriffen nahmen sie zur Kenntnis, den längsten Familienstammbaum der Welt zu besitzen, der 3000 Jahre zurückreicht. Auch Lepra, Pest und Krebsmetastasen lassen sich an Grabungsfunden von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Friedhöfen nachweisen. So liefert die Archäologie Material für wissenschaftliche Erkenntnisse z. B. in der Epidemiologie und damit auch für die medizinische Forschung.

Die Geo-Archäologie andererseits liefert Erkenntnisse über die Lebenswelt unserer Vorfahren, Klimaveränderungen, Veränderungen der Tier und Pflanzenwelt, Genetik der Flora und Fauna sowie über den Einfluss des Menschen auf seine Umwelt. Solche Informationen bergen z.B. die bis zu 8000 Jahre alten Funde aus den Gipsbänken der Windsheimer Bucht.

Am meisten interessierte die Zuhörer naturgemäß, was Bernd Kriens über seine Ausgrabungen in Pfaffenhofen erzählte. Ein Grund für die frühe Vorbesiedlung vor ca. 6500 Jahren mag der stabile Wasserstand gewesen sein, worauf der Zustand von Brunnenresten unterschiedlichen Alters schließen lässt.

Farbschattierungen im Erdreich und Füllmaterial in Pfostenlöchern weisen u. a. auf die Arbeitsmethoden bei der Pfostensetzung hin. Sie beweisen, dass es vor dem großen Brand von 1388 mindestens zwei Pfostenhäuser auf dem Herb-Areal gab, die ungewöhnlicherweise mit Ziegeln gedeckt waren. So lässt sich auf ein Stadtbild mit vielen kleinen, fachwerkähnlichen Häuschen und verwinkelten Gassen schließen. Brandspuren, eine Pfeilspitze und ein Reitersporn belegen, dass der Ort bei kriegerischen Auseinandersetzungen dem Feuer zum Opfer gefallen war. Auch wurde ein kleiner Zapfhahn aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gefunden, der älteste Zapfhahn der Stadt.

Zusammenfassend veranschaulichte der Ostberliner Bernd Kriens den gesellschaftlichen Sinn der Archäologie mit einem historischen Beispiel: Brandenburg habe durch den 2. Weltkrieg den großen Teil seines kulturhistorischen Erbes verloren. Danach habe das sozialistische DDR-Regime auch die geistige Erinnerungskultur hinweggefegt. Dadurch seien auch Bezüge zur Vergangenheit gekappt worden die wichtig für lokal verankerte Identitäten sind. Diesen Identitätsverlust macht er mitverantwortlich für die Tatsache, dass die Menschen diese Region verlassen und nicht wiederkehren. Eine Aufgabe der Archäologie sei es, Kultur und Identität zu dokumentieren und zu bewahren in einer sich verändernden Welt.
Deshalb plädiert er unbedingt für ein Museum in Pfaffenhofen, in dem die Stadt ihre Kultur bewahren und präsentieren kann. Nicht nur die vergangene, sondern auch die der Gegenwart und der Zukunft.

Fotos: U. Beyer, veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung durch das Landesamt für Denkmalpflege.

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