Neues und Historisches

Fossa Carolina - der Karlsgraben

Fossa Carolina - der Karlsgraben

i 5. Februar 2015 von U. Beyer

Dr. Lukas Werther, ehemaliger Schüler des Schyren-Gymnasiums, heute Archäologe, referierte am 2. Februar auf Einladung des Heimat- und Kulturkreises Pfaffenhofen über sein aktuelles Forschungsprojekt, den sog. Karlsgraben (fossa carolina). Der junge Wissenschaftler koordiniert an der Universität Jena das interdisziplinäre Projekt, in dem Archäologen, Historiker, Geographen und Geophysiker eines der größten Bauprojekte des Mittelalters erforschen. Mit Hilfe von lateinischen Quellen, mittelalterlichen Illustrationen, Landkarten, Luftaufnahmen, Grafiken und Grabungsfotos gelang es Dr. Werther, die komplexe Materie für alle verständlich darzustellen.

In seiner höchst anschaulichen und kurzweiligen Präsentation ging der Forscher zunächst auf die Verkehrslage zur Zeit Karls des Großen ein. In dieser Zeit waren Wasserwege die besten Transportwege. Deshalb ließ Karl der Große im Jahr 793 einen ca. drei Kilometer langen Kanal zwischen Rezat und Altmühl errichten, um damit die Flusssysteme von Rhein und Donau miteinander zu verbinden. Mit diesem Vorgänger des heutigen Rhein-Main-Donau-Kanals sollte die europäische Hauptwasserscheide überwunden und die Schifffahrt zwischen Nordsee und Schwarzem Meer entscheidend erleichtert werden. Dieses europaweit einzigartige Vorhaben hat nicht nur in den zeitgenössischen Schriftquellen, sondern auch in der Landschaft Spuren hinterlassen.

Ein großes Forschungsprojekt untersucht seit 2012 den Karlsgraben als Bindeglied der Hafen-Netzwerke an Rhein und Donau. Neben Quellenstudium und Grabungen sind komplexe geologische Forschungen in Sedimenten nötig. Sehr aufschlussreich ist auch die erstaunlich genaue Datierungsmöglichkeit durch Untersuchung der Jahresringe in den Bauhölzern (Dendrochronologie). 2013 erbrachte eine archäologische Ausgrabung spektakuläre Ergebnisse. An den Rändern der ehemaligen Fahrrinne konnten über 1200 Jahre alte Bauhölzer der Uferbefestigungen geborgen werden. Erstmals lässt sich dadurch nachweisen, wie der Kanal im Detail konstruiert war und welche Schiffe den Kanal befahren konnten.

Der Kanal, von dem heute noch ein Stück bei Treuchtlingen im Ortsteil Graben sichtbar ist, war - wie der Rhein-Main-Donau-Kanal - ein Prestigeobjekt. Bis heute ist nicht gesichert ob er jemals fertiggestellt und genutzt wurde.

Kommentare

*

Bitte das Ergebnis eintragen: