Neues und Historisches

Geheime Ecken in der Spitalkirche

Geheime Ecken in der Spitalkirche

i 11. Oktober 2017 von U. Beyer

Die Spitalkirche
Die barocke Spitalkirche in Pfaffenhofen - gegenüber der Stadtpfarrkirche - hat einen Teil der Renovierungsarbeiten überstanden. Unter dem Dach wurde das Gewölbe durch Klammern gesichert, der Außenanstrich ist vollendet, nun stehen Arbeiten im Kirchenraum bevor.
Die barocke Spitalkirche in Pfaffenhofen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1716 bekamen die Franziskaner die Genehmigung, in Pfaffenhofen ein Hospiz zu gründen. In der Bevölkerung waren sie sehr beliebt, nicht nur weil sie sich um Kranke kümmerten und sogar Hausbesuche machten, sondern auch weil sie in der Quellengasse einen Biergarten betrieben. Ihre Gottesdienste durften sich nicht mit denen der Stadt-Pfarrei überschneiden, wurden deshalb also später angesetzt. Das hatte zur Folge, dass Langschläfer sonntags lieber zu den Franziskanern gingen, was wiederum den Neid des Stadtpfarrers erweckte. Aber auch in Not und Bedrängnis gewährten die Franziskaner Zuflucht, so z. B. während der grausamen Schlacht, die sich am Gründonnerstag 1745 durch die Stadt zog, begleitet von vernichtenden Plünderungen.
Keine hundert Jahre nach der Gründung musste das Kloster 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst werden. Alle Besitzungen fielen an den Staat. Die Stadt Pfaffenhofen ergriff die Chance, die Gebäude zu kaufen , um sie als Krankenspital zu nutzen, mit der Kirche für die Patienten. So entging sie dem Schicksal der endgültigen Profanierung als Schrannenhalle und wurde zur Spitalkirche.
Der Bau wurde von einem unbekannten Baumeister 1716 bis 1719 im Barockstil erbaut. Typisch dafür sind z.B. der Zwiebelturm, die rundlichen Fenster, die Muschelornamente, das Tonnengewölbe. Aus der Entstehungszeit stammen auch die Rokoko-Altäre des kurfürstlichen Hofmalers Johann Caspar Sing.
Im starken Kontrast dazu stehen die modernen Deckengemälde des Pfaffenhofener Künstlers Michael Weingartner aus den 1950er Jahren. Darin hat der Künstler auch sich selbst und seine Mitarbeiter porträtiert. Das Gerücht, er habe ein Asam-Gemälde übermalt, lässt sich nicht erhärten. Auch die Gestaltung des äußerer Arkadengangs mit der Kriegergedächtnisstätte geht auf Weingartner zurück.
Nur sehr selten bekommen Besucher bei Führungen auch Einblick in die geheimnisvolle kleine Krypta, in der Gräber von Mönchen in die Wand eingelassen sind.
Besonders beliebt bei Alt und Jung ist in der Zeit von Advent bis Mariä Lichtmess die in der Kirche aufgebaute Weihnachtskrippe mit wechselnden biblischen Szenen. Die Figuren sind zum Teil mehr als 200 Jahre alt.
Quellen:
Dr. Hans Erdle: Die Franziskaner in Pfaffenhofen. in: Unsere Heimat Nr. 1/1993 Aussagen des Heimatforschers R. Haiplik bei einer Führung am 11.10.2014
Andreas Sauer: "Malen, um seelisch zu überleben". PK, 5.7.2017

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