Neues und Historisches

Häusergeschichten: Der Salverbräu, Auenstraße 46

Häusergeschichten: Der Salverbräu, Auenstraße 46

i 5. Mai von U. Beyer

Wieder in altem Glanz erstanden ist der Salverbräu, eine seit eh und je beliebte Gaststätte in Pfaffenhofen. Laut Denkmalliste stammt das historische Gebäude aus dem 18. Jahrhundert. Der Heimatforscher Heinrich Streidl (1909 - 1989) fand jedoch heraus, dass das Anwesen bereits 1612 dokumentiert wurde. Auch der Salverbräu war eine der 13 Brauereien, die Pfaffenhofen im 17. Jahrhundert besaß. Und auch hier wurde, wie in der damaligen Zeit üblich, der Bierbräu einmal bestraft, weil er "über gebührende Zeit nächtlicher Weil Zöchen gestattet", also die Sperrstunde nicht eingehalten hatte. Das war anno 1619.

Von einer Zerstörung oder Abbruch und Neubau ist in Streidls Häuserchronik nichts verzeichnet, wohl aber ein häufiger Besitzerwechsel durch Kauf bzw. Erbschaft. 1771 allerdings kam der damalige Besitzer "auf die Gant". Das hochverschuldete Anwesen musste versteigert werden. Eine der Ursachen könnte ein Ereignis im Österreichischen Erbfolgekrieg gewesen sein, als am Gründonnerstag 1745 die Schlacht mit raubenden und plündernden Panduren durch Pfaffenhofen zog. Sie kostete so manchem das Leben oder die Existenz. Es dauerte Jahre, bis sich Pfaffenhofen davon wieder erholt hatte.

Zwischenzeitlich gehörte das Anwesen der Riedenburger Brauerei Krieger, die es 1916 um 100 000 Mark an die entfernt verwandte Pfaffenhofener Brauerfamilie Müller verkaufte, wie die Lokalzeitung meldete. In der Häuserchronik taucht der Name Krieger allerdings nicht auf. Es geht auch nicht aus ihr hervor, wann die Brautätigkeit hier eingestellt wurde. Auch der Ursprung des Namens Salverbräu bleibt im Dunkeln.

Eine Anekdote aus dem 2. Weltkrieg erzählt eine Zeitzeugin: Zu Kriegsbeginn mussten Bauern ihre Pferde und Autobesitzer ihr Fahrzeug zu militärischen Zwecken abgeben. Ein benachbarter Fahrrad- und Motorradhändler suchte nach einer Möglichkeit, sein Auto dem Zugriff des Militärs zu entziehen. Sein Freund, der Wirt des Salverbräu, bot ihm an, es in seinem Hof abzustellen und mit Kohlen zuzuschütten. Gesagt, getan. So blieb es sicher verborgen, bis der Krieg vorüber war.
An dem Gebäude nagte im Laufe der Jahre der Zahn der Zeit. Doch zum Glück entschloss sich die Brauerei Müllerbräu, zu deren Eigentum das Baudenkmal gehört, zur denkmalgerechten Sanierung. Der Geschäftsführer Manuel Müller bekundete: „Der Salverbräu soll seinen Charme von anno dazumal behalten. Alles soll weitgehend original bleiben, wir wollen das nostalgische Flair bewahren.“
Streidl, Heinrich: Häuserchronik der Stadt Pfaffenhofen a.d.Ilm. Pfaffenhofen 1982
Zell Tobias: Der legendäre "Salverbräu" wird saniert. https://pfaffenhofen-today.de/22380-09122015-salver (9. 12. 2015)
Ausschnitt aus der Pfaffenhofener Lokalzeitung von Oktober 1916

(Ursula Beyer, Mai 2018)

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